Vitamin C vom 10.03.2022

„Nein zum Krieg“

Mit diesem Slogan bezogen Teilnehmer:innen der ge­meinsamen Mitgliederversammlung von Vivantes und Charité am 1. März Position zum Krieg in der Ukraine. Es wurde auch eine Resolution verabschiedet, die sich ge­gen den russischen Einmarsch in die Ukraine sowie die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung stellt. Zusätzlich wurde eine ausreichende Finanzierung für die Unter­stützung von Geflüchteten, egal welcher Herkunft sowie Investitionen in Bildung, Gesundheit, Klima und Soziales gefordert. Denn weder Waffen noch militärische Auf­rüstung werden Frieden bringen und all die Milliarden für die Bundeswehr werden weder den Menschen in der Uk­raine noch den Geflüchteten hier helfen.

Liebe Kolleg:innen

Dieser Krieg und die Bewältigung der absehbar notwen­digen Versorgung seiner Opfer schließt sich auch unmit­telbar an die Herausforderungen an, die die Corona-Pandemie für die Charité und alle deutschen Kliniken mit sich brachte. Doch die Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte hat unsere Arbeitsbedingungen so gestaltet, dass wir unsere Arbeit kaum noch machen können. Umso wichtiger erscheint es uns, auch angesichts des Krieges, die Stimme dagegen zu erheben und alle Kolleg:innen zu unterstützen, die sich für die Verbes­serung der Arbeitsbedingungen und damit für die Ver­sorgung der Menschen einsetzen.

Kolleg:innen-Jagd

Die Charité hat nachgelegt und bietet jetzt bis zu 1000 € für die Anwerbung von Kolleg:innen in bestimmten Be­rufen. Wie gesagt, „bis zu“. Welcher Berufsabschluss nun die 1000 € Kopfprämie einbringt und welcher weniger, ist nicht weiter bekannt geworden. Doch klar ist, Vivantes wird nachziehen und mit den von der Rostocker Uniklinik gebotenen 8000 € kann die Charité nicht mit­halten. Was für ein Trauerspiel. Bessere Arbeits­bedingungen müssen wir per Streik erzwingen, bessere Bezahlung wird vielen Kolleg:innen wie in den Ruppiner Kliniken vorenthalten, aber fleißig werben die Mana­ger:innen sich gegenseitig das Personal ab.

An Care Denken,

war das Motto der Kundgebung auch der Berliner Kran­kenhausbewegung an der Volksbühne anlässlich des In­ternationalen Frauentages am 08.03.2022. Weit mehr als 1000 Teilnehmer:innen benannten die seit Jahren feh­lende soziale, finanzielle und politische Wert­schätzung der Sorgearbeit im Sozial,- Bildungs,- und Ge­sundheitswesen. Gerade in diesen Bereichen ist der An­teil von Frauen unter den Beschäftigten, mit mieser Be­zahlung und fortlaufender Überlastung, besonders hoch. Das gilt in Berlin, in Deutschland, in wohl allen Ländern. Das gilt in den Klinken, den Pflegeeinrichtungen, den pri­vaten Haushalten mit zu Pflegenden, den Schulen, den Wohn- und Sozialprojekten, den Kitas usw. Darum war es Ziel der Kundgebung einen Beitrag zu leisten: Kämpfe vereinen, Überlastung beenden!

Die Charité hat’s mal wieder geschafft
Die Charité wurde mal wieder gerankt – nicht vom kleinen Focus, sondern vom US-Magazin „Newsweek“. Wir sollen angeblich das fünftbeste Krankenhaus der Welt sein – doch hier ging es nicht um die Pflegesituation, sondern um unser Renommee – also die Marke Charité. Als ginge es darum, ein Glas Nuss Nougat Creme zu bewerben und nicht um medizinische Versorgung von Patient:innen.

Ja, Investitionen können helfen

2021 gab es kanpp 10 % mehr Pflegeazubis in NRW verglichen zu 2020. Einer der Hauptgründe dafür: NRW hat über 350 Mio € in den vergangenen Jahren zur Ver­fügung gestellt, um z. B. Pflegeschulen zu modernisieren oder Ausbildungskapazitäten auszubauen. Auch beteiligt sich das Land finanziell an der Pflegeausbildung. Also, Geld ist zwar nicht alles, hilft aber erheblich den Pflege­mangel zu bekämpfen.

Es rumpelt in der Kiste
Auch 2022 gibt’s trotz aller Probleme in der Welt keinen Stillstand in der Krankenhausbewegung: es gibt Proteste an der Uniklinik Eppendorf aufgrund von Personal­mangel, die Kolleg:innen der Servicetöchter in den Rup­piner Kliniken waren erneut im Warnstreik, es gab eine gemeinsame Mitgliederversammlung der Berliner Kran­kenhausbewegung am 1. März und auch die Kampagne für mehr Personal in NRW hatte vor kurzem ihren Auf­takt. Mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen sind nötiger denn je und die Kolleg:innen haben verstan­den, dass dies nicht geschenkt wird!

Von Notlösungen und Scheinlösungen

In einem verzweifelten Brandbrief wenden sich Kinder­ärzt:innen und Personalräte Berliner Kliniken an die ver­antwortlichen Gesundheitspolitiker:innen, endlich ent­schiedene Maßnahmen gegen die sich immer weiter ver­schärfenden Missstände in der kindermedizinischen Ver­sorgung zu ergreifen. Die erhobenen Forderungen nach Abschaffung der DRGs in diesem Bereich und der Ge­währleistung einer angemessenen Finanzierung sind sinnvoll und unterstützenswert. Die über Jahrzehnte be­triebene Flickschusterei der Verantwortlichen muss end­lich ein Ende haben. Vor Jahren haben sie uns erzählt, in Steglitz gäbe es ein Überangebot an kindermedizinischer Versorgung. Natürlich resultierte aus der Schließung der Steglitzer Kinderabteilung keineswegs ausreichend Per­sonal fürs Virchow – es war einfach nur wieder eine der vielen Wimmelfinten, um zu Lasten von Personal und Pa­tient:innen Kosten zu sparen. Besonders eklig ist dabei, wenn es auf dem Rücken unserer kleinsten Patient:innen ausgetragen wird – so mancher Politiker und Verwal­tungsmensch hat sich wohl das Gewissen operativ ent­fernen lassen …

Bye, bye Judith, bye, bye

Der guten Ordnung halber hier also unser letzter Artikel zur Pflegeleitung a. D. Judith Heepe. Nach heftigem Ge­rumpel im Häuptlingszelt sahen wir uns Judith ihre Schecke satteln und in den Sonnenuntergang davon­reiten. Nun sollte ein Gentle(wo)man in einem solchen Fall nicht nachtreten, das wäre kein feiner Stil. Auch ver­kneifen wir uns nach Möglichkeit persönliche Kommen­tare zum Führungspersonal, schließlich spielt jeder seine Rolle, ok, der eine besser, die andere schlechter … Doch manchmal können wir einfach nicht widerstehen: Die Lücke, die sie hinterliess, ersetzte sie vollständig …Formularende

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