Vitamin C vom 09.06.2022

Kaffeeklatsch und Mitarbeiterfest

Mitte Mai hat der Vorstand zum Kaffeeklatsch eingeladen, um Fragen und Anmerkungen zur Strategie Charité 2030 auszutauschen. Doch scheinbar war das Interesse der Kolleg:innen seeeehr überschaubar. Das Interesse am Mit­arbeiterfest ist dagegen sehr hoch – die begehrten Plätze waren binnen weniger Tage weg. Vielleicht sollte der Vor­stand den Kaffetrick nochmal auf dem Fest aus-probieren, um mit Kolleg:innen ins Gespräch zu kommen?

Es ist wieder soweit
Am 07.07. ab 10 Uhr gibt es eine Betriebsversammlung bei der CFM. Es werden wichtige Themen angesprochen wie Gefährdungsanzeigen oder Gewerkschaftsarbeit. Doch leider gibt es kein Wort zum Stand des Tarifvertrags: wurden denn alle Kolleg:innen endlich eingruppiert? Wird er von der CFM auch wirklich umgesetzt? Oder sollten wir uns lieber auf den nächsten Kampf vorbereiten?

Studien über Studien

Mal wieder gibt es eine Studie zu Pflegepersonalmangel: dieses Mal fehlen mehr als 50.000 Intensivpflegkräfte deutschlandweit. Aufgrund dessen werden die Forderungen verschiedener Pflegeverbände wieder laut für „die sofortige Einführung von Pflegepersonalbemessung und eine Neu­ausrichtung des Gesundheitssystems, um  dem […] über­durchschnittlich hohen Bedarf an Intensivversorgung […] zu begegnen“. Häää? Überdurchschnittlich hoher Bedarf? Heißt das jetzt, dass die Intensivstationen benutzt werden, wenn es auf Normalstation an Personal fehlt?

Apropros Personalmangel
Eine weitere Studie hat gezeigt, dass mehr als 860.000 (!) examinierte Pflegekräfte nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten. ABER ein großer Teil würde zurück kommen bei besseren Arbeitsbedingungen.

Diese Settings wieder
Der Charité scheint jedes Mittel Recht zu sein, Tarifverhand­lungen zu unterbinden, wie letztens bei der Auftaktver­handlung der Ärzt:innen: „die vorgefundenen Räumlich­keiten und das Setting“ ließen den „Verhandlungsauftakt“ nicht zu und die Tarifkomission drehte unvollbrachter Dinge um. Die Verhandlungen wurden Anfang Juni schließlich doch begonnen. Vielleicht hat die Charité dafür Räumlich­keiten im Schloss Sanssouci gemietet?

Wieder einmal Dankeschön

Zum Tag der Pflege am 12. Mai hat sich mal wieder eine Dankesflut des Vorstandes insbesondere der Personal- und Pflegechefin Eysel über uns ergossen. „Respekt“, „Wert­schätzung“, „professionelle Anerkennung“ und so weiter mit dem Gesülz. Lustig wird es an der Stelle, wo sie feststellt, dass ein Dankeschön natürlich nicht reicht. Hatten wir doch erwartet, dass sie im Vorstand und Aufsichtsrat nun auf­stehen und  lang anhaltend klatschen sowie mit den Füßen trampeln. Doch noch besser. Sie verknüpft den Dank mit dem „Aufschlagen“ eines neuen Kapitels an der Charité durch den Tarifvertrag Gesundheitsfachberufe. Ja genau, sie meint den Tarifvertrag für den wir 4 Wochen streiken mussten, der uns Geld und Nerven kostete und der Regeln zu einer besseren Vereinbarkeit von Gesundheit und Arbeit in der Charité beinhaltet – die aber natürlich vielen unserer Kolleg:innen z. B. in Labor und CFM noch immer vorent- hal­ten werden.  

Streik? NRW? War da was?

Womit sich unsere Kolleg:innen in NRW beim Kampf um Entlastung herumärgern müssen: 6 Wochen Streik, Berichte darüber zwar auf den Phillipinen, aber nicht in den deutschen Medien. Nach 100 Tagen Ultimatum und 4 Wochen Streik eine Re­aktion der Politik und Chefs. Weil sich die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), also der öffentliche (!) Arbeitgeberverband aber weigert, Verhandlungen aufzunehmen, muss nun ein Gesetz her damit die Uni-Kliniken austreten und einen eigenen Verband gründen können, der dann über einen Tarifvertrag zu Entlastung verhandelt. Und nach 6 Wochen Streik gibt es noch immer kein Angebot der Kliniken. Geht noch mehr an Frechheit?

Ausweitung des Streiks in NRW

Die Situation ist für unsere Kolleg:innen in NRW und verdi schwierig. Die Antwort verdis sollte aber nicht sein, den Streik zu beenden, wenn ein „passables Angebot“ vorliegt. Sondern die Einbeziehung weiterer Kliniken in den Streik. Wir in Berlin, v. a. bei Vivantes wissen doch, streikfreie Ver­handlungen führen auch nach Monaten zu keinen Ergebnis­sen. Und der Austritt aus der TdL (Tarifgemeinschaft deut­scher Länder) schwächt die Kampfkraft für zukünftige Streiks für die Fortschreibung des TvÖD/TVL.

Lauterbachs Geist

Nun da die Pandemie nicht mehr die Schlagzeilen bestimmt, hören wir auch mal wieder zu anderen Themen vom Lauter­bach. Ihm erschien da offenbar ein kleiner Geist der ihm verriet: Die himmelschreienden Zustände in den Kinder­kliniken, mit denen wir ja auch hier an der Charité mehr als genug Erfahrungen haben, könnten mit dem Finanzierungs­system der Kliniken zu tun haben. Daher möchte er die Ab­rechnung der Behandlung der kleinen Patient:innen aus dem DRG-System herauslösen. Nein, er will das Fallpau­schalensystem noch immer nicht komplett abschaffen, sondern halt etwas reformieren. War ja schließlich auch mal u.a. auf seinem Mist gewachsen. Der Geist flüsterte ihm auch noch ein, dass in Berlin bei Vivantes und Charité mitt­lerweile mehr Bewerbungen in der Pflege eingingen als es Stellen gäbe. Woher der Geist diese Kenntnis nimmt, bleibt sein Geheimnis.

Klagende Chefs in Pflegeeinrichtungen

Ab Herbst soll es eigentlich eine Tariftreue-Regelung in Pflegeeinrichtungen geben, die endlich dafür sorgen könnte, dass die Zeit der Hungerlöhne endet. Dabei soll sich an dem Niveau der wenigen in diesem Bereich geltenden Tarife orientiert werden, z. B. bei Paritätischen oder bei Kirchens. Doch diese kamen ihrer Pflicht nicht nach, dem Lauterbach zu melden, was sie zahlen. Und so können sich nun die Arbeitgeberverbände der privaten Altenhilfe be­schweren, dass sie nicht nach den Tariftreue-Regeln handeln könnten und haben gleich Klage beim Ver­fassungsgericht eingereicht. Sie könnten ja einfach nicht wissen, was sie an Löhnen zahlen sollen. Wir haben da eine kleine Idee, dem Dilemma zu entgehen. Fragt doch mal die Beschäftigten in euren Schwitzbuden, was sie für Löhne brauchen, um gut zu leben. Und ihr liebe Kolleg:innen: Nicht wieder so bescheiden sein.

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