Vitamin C vom 04. September 2025

Wo bleibt die Kohle?
Anfang Juni einigten sich die Streikenden an der CFM mit deren Geschäftsführung auf die Eckpunkte des neuen Tarifvertrages. Doch auf die Lohnerhöhung und die vereinbarte Einmalzahlung warten die CFMler noch immer. Die Geschäftsführung blockiert und will die Eckpunkte plötzlich ganz anders verstehen, als die Kolleg:innen. Ziel der Chefs ist es wohl, die Kolleg:innen gegeneinander aufzubringen. Vertraglich soll verhindert werden, dass die Kolleg:innen der CFM sich an TVÖD-Streiks beteiligen und somit nicht gemeinsam mit den Charité-Kolleg:innen kämpfen können. Im gleichem Atemzug wollen die Chefs somit auch verhindern, dass Lohnerhöhungen im TVÖD zeitgleich an der CFM umgesetzt werden müssen. Ihr Wunsch: TVÖD Erhöhungen erst ein Jahr später zahlen. Wir sind einiges gewöhnt von CFM und Charité, aber geraten doch immer wieder ins Staunen. Und in Wut. Diese Wut muss raus, gemeinsam und immer, wenn wir die Gelegenheit haben, die Herrschaften vorzuführen.

Kreativität bei der Profitmaximierung
Die Erfurter Helioskliniken verlagern systematisch die Arbeit des Servicepersonals auf die Pflegekräfte. Seit Anfang 2025 werden Servicekräfte nicht mehr aus dem Pflegebudget der Krankenkassen bezahlt, sondern von der Klinik selbst. Wenn also Pflegekräfte diese Arbeiten übernehmen, wird gespart. Nicht verwunderlich also, dass der Vertrag mit der Servicetochter Helios Catering Süd bereits 2023 gekündigt wurde. Es wurden über 50 Servicekolleg:innen abgebaut. Deren Tätigkeiten werden nun dem Pflegepersonal aufgebürdet. Helios rechtfertigt dies mit dem Zuwachs an Pflegehelfer:innen und redet von Verbesserung des Skill-Mix. Diese Kreativität findet aber auch an anderen Kliniken ihren Ausdruck, wie zum Beispiel am Jüdischen Krankenhaus hier in Berlin. Wollen wir Wetten abschließen, wann das Modell bei Charité und Vivantes ankommt?

Charité-Variante der Kreativität?
Es ist schon auffällig, dass viele Mülleimer seltener geleert werden, manch Büro noch seltener gesaugt wird oder die Abwürfe für Papierhandtücher regelmäßig überquellen. Die CFM zahlt noch nicht die vereinbarten Löhne, aber die Sparvorgaben der Charité scheinen schon wirksam. Wer wird dran schuld sein? Ihrer Meinung nach die Kolleg:innen, die im Streik bessere Löhne durchgesetzt haben. Die Argumentation ist echt daneben, aber die Chefs haben ja bereits vor und während des Streik damit gedroht. Die Chefs setzen wohl darauf, dass andere neben ihrer Arbeit die zusätzlichen Tätigkeiten übernehmen. Ganz von allein, weil ihnen der Schmutz nicht passt. Den Gefallen sollten wir ihnen jedoch auf keinen Fall tun, sondern den Müll liegen lassen, Fotos anfertigen und die Chefs damit konfrontieren.

Arbeitszeitverkürzungen a la Charité
Auch die Ärzt:innen haben einen neuen Tarifvertrag. Ein durchgesetztes Highlight ist die Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden/Woche. Just diese Arbeitszeitverkürzung nutzt nun die Charité, um die Kolleg:innen unter Druck zu setzen. Arbeitszeitverkürzung und angestrebte Änderungen bei den Bereitschaftsdiensten erfordern mehr ärztliches Personal. Die Lösung der Chefs ist nun: Eine „freiwillige“ Arbeitszeitverlängerung auf 48 Stunden. Ziel soll es sein, über 50% der Ärzt:innen zur Unterschrift unter solch eine Nebenabrede zu drängen. Bizarr, aber was bei der CFM mit dem Eckpunktepapier angestellt wird, findet bei der „Tariftreue“ gegenüber den Ärzt:innen seine Fortschreibung.

CFM-Betriebsversammlung!? !! 16.09.2025 !!
Ist immer gut vorbeizukommen, doch jetzt ist die Teilnahme besonders wichtig. Damit die Chefs keine weiteren Spaltpilze legen können. Damit wir uns über unsere Erfahrungen mit den Vorgesetzten nach dem Streik austauschen können. Damit wir uns wieder vernetzen, um gemeinsam zu handeln. Damit die Chefs unsere Einigkeit sehen und wir ihre Frechheiten besser abwehren können. Auch das am 24.09 stattfindende CFM-Betriebsgruppentreffen könnte eine Möglichkeit sein.

Streik im Frei?
Warum der Austausch auch wichtig ist. Nun zum Beispiel, weil die CFM Kolleg:innen Geld für Streiktage abgezogen hat, auch wenn diese an diesem Tag nach Dienstplan im Frei waren und somit nicht streiken konnten.

Chepsfrei? Wie lange noch?
Der Umgang mit dem Tarifabschluss bei der CFM und den Ärzt:innen zeigt bereits deutlich, das Jahr 2026 wird rau. Nächstes Jahr steht die Verbesserung des Entlastungstarifvertrages an. Man muss kein Hellseher sein. Die Charité wird die Bedingungen verschlechtern wollen. Bessere Schichtbesetzungen, Chepsfrei usw. sind keine Selbstverständlichkeit. Wir werden hart um diese mal erreichten Erfolge kämpfen müssen. Die Organisation auf den Stationen und in den Bereichen kann gar nicht früh genug beginnen und muss auch die neuen Kolleg:innen erfassen.

Mensch ver.di
Nicht besonders förderlich ist es dabei, dass auch die Gewerkschaft ver.di sich für ein neues Personal-bemessungsinstrument in der Pflege stark macht. Neu? Naja, eher alter Wein in neuen Schläuchen. Es geht um die PPR2.0. Erfahrenere Kolleg:innen kennen das genau. Dazu gibt es vieles zu sagen, doch eines vielleicht zur Abkürzung: Dieses Instrument begleitete die Jahre des massiven Personalabbaus in der Pflege. Wir haben ein besseres Instrument gefunden. Die Ratios und das dazugehörige Konsequenzenmanagement in den Entlastungstarifverträgen. Die Expert:innen der täglichen Arbeit wissen nun mal recht gut, wie viel Personal sie benötigen, gerade auch bezogen auf die jeweiligen Eigenheiten der Klinik. Statt in immer mehr Kliniken TV-E’s durchzusetzen, orientiert sich ein Teil der ver.di-Führung an Uraltkonzepten.

25.08.25 Angriff auf Nasser-Klinik in Gaza
Die Charité veranstaltet zusammen mit dem IPPNW (kurz: Ärzt:innen gegen den Atomkrieg) vom 31.08. bis zum 06.09.2025 eine „Global Health Summer School“ mit dem Thema „Linking Climate Justice, Health and Peace“. Interessant, denn gleichzeitig hat die Charité im August eine Filmvorführung in ihren Räumen verboten. Zu den Organisatoren gehörten neben zwei weiteren Organisationen die Student:innengruppe des IPPNW an der Charité. Sie wollten den Film „A State of Passion“ zeigen und danach ein Gespräch mit Dr. Ghassan Abu- Sittah, Rektor der Universität Glasgow, führen. Doch die Charité ließ dies nicht zu. Genauso wie sie zuvor einer muslimische Student:innen-gruppe die Nutzung ihrer Räume für Veranstaltungen untersagte. Zuvor hatte diese Gruppe z. B. eine Veranstaltung mit einem Rettungsmediziner zu seinen Einsätzen in der Ukraine und Gaza durchgeführt. Vorwurf Islamismus. So reiht sich der Leuchtturm der Wissenschaften ein in das laute Schweigen zu dem mörderischen Treiben einer rechtsradikalen Regierung. Denn wer solidarisch mit den palästinensischen Opfern dieses Krieges ist in der Lesart der Charité automatisch ein Terrorbefürworter.

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